Raymond Thelen

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Musikst├╝ck in neun Bildern (Partitur in 9 Bildern)
Diverse Ausstellungen und Konzerte - siehe Biografie

Komposition
Mehmet Aktug
Raymond Thelen
Christof Wurster

Synthesizer
M. Aktug


Grafik
Raymond Thelen

Technik
C. Wurster

Aufgenommen im Tonstudio T l der Fachhochschule
D├╝sseldorf, Georg-Glock-Str.

Manuskript
Entwurf R. Thelen, M. Aktug
Ausarbeitung und Text R. Thelen


Das hier vorgestellte Projekt ist eine musikalische Umsetzung der ausgestellten Graphikserie. Die Serie ist insgesamt als Partitur anzusehen, wobei jedes Blatt Figuren, bzw. Strukturen beinhaltet, die wir versuchten musikalisch zu beschreiben.
Ein festes Konzept hatten wir zu Beginn dieser Arbeit nicht. Anfangs w├Ąhlten wir zwar das Thema der Farbenmusik, jedoch mussten wir einsehen, dass der Zeitraum indem wir eine abgeschlossene Arbeit fertig stellen mussten, f├╝r dieses schon sehr umfangreich behandelte Thema zu kurz war. So einigten wir uns darauf, eine von mir zu dieser Zeit in Arbeit befindlicher Experimentierserie von Radiertechniken zum Ausgangspunkt unseres Themas zu machen.
Ziel dieser Radierserie war es, auf einer Zinkplatte verschiedene Radier- bzw. ├ätztechniken zu probieren, die einzelnen Strukturen zu ├╝berlagern, die Platte durch st├Ąndige ├ätzungen zu zerst├Âren, bzw. dadurch die entstehende Gesamtstruktur auf ein Minimum zu reduzieren.
Die Zustandsabz├╝ge (insgesamt 32) zeigten eine fig├╝rliche und strukturelle Entwicklung auf, die sich gut dazu eignete, ein Ger├╝st f├╝r ein Musikst├╝ck aufzubauen.
Wir reduzierten die Anzahl der Bl├Ątter auf neun Exemplare und begannen, uns ├╝ber die Bilder zu unterhalten.
Figuren, Stimmungen und Entwicklungen der einzelnen Bilder wurden diskutiert damit eine konkrete Geschichte als Basis des Musikst├╝ckes entstehen konnte.
Ausgehend von der Holzstruktur in Bild I entsteht in Bild II durch Gewalteinwirkung eine neue Figur (Felsenfigur), die mit den Holzstrukturen im Kontrast steht. Die somit entstandenen Spannungen f├╝hren schlie├člich zum pl├Âtzlichen Energieausbruch, der beide Figuren zerst├Ârt (Bild III, IV).
Die freigewordene Energie (sich ├╝berlagernde Strukturen, Linien, Flecken etc.) beruhigt und verdichtet sich ''Bild IV, V) und bildet schlie├člich eine neue reduzierte Figur (Bild VI - IX).
Mit einem Synthesizer (Yamaha DX-7) wollten wir Kl├Ąnge und Effekte erzeugen, die die Figuren, bzw. Stimmungen beschreiben.
Im Tonstudio gesellte sich Christof als Tontechniker zu uns, der uns die Aufnahme des St├╝ckes technisch erm├Âglichte und bei der Ausarbeitung von Effekten erheblich mitgewirkt hat.
Nach ca. 30 Std. Tonstudio und Verwendung von mehr als 30 Tonbandspuren konnte das Musikst├╝ck auf 2 Kan├Ąle abgemischt werden.

Bild I - Holzstruktur und Gazemuster

Die Holzstruktur tritt auf in Form von Parallellaufenden Basslinien, die durch Vibrati und Glissandi eine individuelle Struktur bekommen. Eine weitere Basslinie taucht auf, f├╝gt sich ein und endet wieder.
Das Gazemuster - als ebenfalls organische Struktur - ist mit dem Holz als Einheit festgesetzt worden um das St├╝ck nicht mit Kl├Ąngen, oder T├Ânen von Anfang an zu ├╝berladen.
Vielmehr wurde hier auf die Gesamtstimmung des Bildes eingegangen, welche eher als harmonisch oder ruhig anzusehen ist. Mit dem pulsierenden (vibrato) Ton d scnien uns das Gazemuster ausreichend repr├Ąsentiert.

Bild II

Nach ca. 40 Sekunden beginnt Bild II mit einem lauten 2-fachen Glissandoeffekt. Die Holz- und Gazestruktur wird aufgerissen und formiert sich - auf ca. 1/3 reduziert - auf der linken Bildseite. Pl├Âtzlich steht eine felsenartige Figur, die durch eine frei gespielte Clavinetstimme dargestellt ist, in dem entstandenen Raum.
Der Einsatz von Echo und Hall vermittelt hier den r├Ąumlichen Aspekt. Die B├Ąsse werden in ihrer Anzahl, und Lautst├Ąrke reduziert.
Dauer 35 Sekunden.

Bild III

Die beiden Figuren bestehen nicht nebeneinander. Laut angeschlagene Cluster - Akkorde stellen das explosionsartige Freiwerden der Energie dar (Kaltnadel). Ein 60 Sekunden Nachhall, der bis zum Ende des IV. Bildes reicht, soll den mit Energie angereicherten Raum darstellen. Feine Strukturen treten im Bild auf, die durch schnell gespielte T├Âne viergestrichenen Registers repr├Ąsentiert werden.
Dauer ca. 30 Sekunden.

Bild IV

Die Explosion ist vorbei, aber der Raum ist immer noch mit Energie gef├╝llt. Der Nachhall der Explosion dauert an und die hohen schnellen T├Âne werden dichter.
F├╝r die zunehmende Struktur kommen T├Âne von Holzbl├Âcken und Xylophon hinzu und ├╝berlagern die in den Hintergrund tretenden Figuren (Holz und Felsen).
Es scheint eine Beruhigung eingetreten zu sein. Die Energie sucht sich zu orientieren, und in diesem Moment taucht das erste Mal eine Andeutung des musikalischen Tonger├╝stes auf. Linear und ohne Takt gespielte T├Âne in der Folge g, f, b, c, f, d, c, f lassen das Thema der Promenade aus Musorgskis „Bilder einer Ausstellung“ erkennen, Dieses Thema ist aus den f├╝nf T├Ânen c, d, f, g, b aufgebaut, welche wir f├╝r den tonalen Aufbau des St├╝ckes w├Ąhlten.
Dauer 3o Sekunden

Bild V

Die Figuren Holz und Felsen sind verschwunden. Daf├╝r herrscht ein wildes Durcheinander von Strukturen und Linien, die sich zunehmend verdichten (hohe T├Âne, Holzbl├Âcke und Xylophon).
Die wieder auftretende Kaltnadel steht f├╝r weitere Entladungen, die durch die annehmende Verdichtung der Strukturen auftreten. Die Entladungseffekte werden durch eine Zusammenfassung verschiedener Stimmen dargestellt: Oboe, Pauken und Brass.
Eine grobe abfallende Kaltnadellinie taucht in Form einer Fl├Âtenstimme auf, die langsam in den Bassbereich absinkt und somit den dunkleren Eindruck des n├Ąchsten Bildes ank├╝ndigt.
Dauer 45 Sekunden

Bild VI

Der Proze├č der Verdichtung geht weiter. Die Fl├Âtenstimme ist auf ihren tiefsten Stand angelangt und wird langsam ausgeblendet.
Aufgeblendete Nachverhallte Bassstimmen geben nun den dunklen Eindruck wieder.
Die T├Âne des viergestrichenen Registers werden immer schneller gespielt. Die Xylophonstimme wird ebenfalls dichter.
Die Holzbl├Âcke l├Âsen sich langsam auf und enden.
Wei├če und schwarze Flecken treten auf. Rauschen (wei├čes Rauschen) wird aufgeblendet, und starkes Rauschen (rosa Rauschen) taucht wiederholt kurz auf.
Eine tiefe verhallte und verzerrte Clavinetstimme wird wiederholt punktuell gespielt.
Dauer 4o Sekunden

Bild VII

Langsam scheint die Energie etwas Neues formieren zu wollen. Eine Reduzierung zu Schwarz und Wei├č bahnt sich an, da die Strukturen immer dichter werden und noch mehr schwarze und wei├če Flecken auftreten.
Die Nachverhallte Bassstimme ist noch im Hintergrund zu h├Âren, da der Gesamteindruck noch sehr dunkel ist.
Dagegen verschwinden die T├Âne des viergestrichenen Registers. Jetzt ist nur noch die mittlere Tonlage des Xylophons bewegter Hintergrund des Bildes, welches durch leises Rauschen (wei├čes Rauschen) begleitet wird.
Die schwarzen und wei├čen Flecken ( Clavinet und rosa Rauschen) beherrschen nun in zunehmender Weise das Bild.
Dauer 30 Sekunden

Bild VIII

Die Reduzierung geht ihrem Ende entgegen. Zwei neue Figuren bilden sich, wobei die rechte eine Struktur besitzt, die eine Entwicklung zur Holzstruktur andeutet. Dementsprechend setzen auch wieder Parallellaufende Basslinien ein (Bl├Ąserbass), wie sie in ├Ąhnlicher Form schon f├╝r die Holzfigur verwendet wurde. Das rosa Rauschen wird lang ausgedehnt und stellt die eigentliche Trennung der beiden Figuren dar. Die Clavinetstimme taucht nur noch vereinzelt auf. Musikalisch l├Âst sich eine Strukturlinie aus der rechten Figur. Ein weiterer Bass (Ton c) wird aufgeblendet ( Hinweis auf Bild IX). Bl├Ąserbass, Nachverhallter Bass und das leise Rauschen (wei├čes Rauschen) werden abgeblendet.
Dauer 40 Sekunden

Bild IX

Die Reduzierung ist abgeschlossen. Nur noch zwei Linien sind vorhanden, Schwarz auf Wei├č, organisch verlaufend.
Basston c wird auf den rechten Kanal reduziert. Auf dem linken Kanal wird mit einem kurzen nach unten verlaufenden Glissando eine zweite Bassstimme angespielt, die nach kurzer Zeit wieder endet.
Es verbleibt Ton c auf dem rechten Kanal
Dauer 55 Sekunden

Februar 1986